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Bearbeiter Herr Bernd Schnitter OP
E-Mail bernd@schnitter.email


HEILIGE MARIA MAGDALENA

Heilige Maria Magdalena
Foto: Maria Magdalena beim gekreuzigten Herrn; Zeichnung aus dem 16. Jh.
Gedenktag 22. Juli - FEST (zum Rang siehe Hinweis)
Geboren * um 1
Gestorben † Mitte des 1. Jahrhunderts
Stand Jüngerin Jesu
Kanonisation Heiliggesprochen durch Papst Pius IX. am 29. Juni 1867
Attribute unter dem Kreuz, Salbgefäß, als Büßerin, Geißel, mit Musikinstrumenten
Patronate der Frauen, reuigen Sünderinnen und Verführten; der Kinder, die schwer gehen lernen; der Schüler und Studenten, Gefangenen; der Handschuhmacher, Wollweber, Kammmacher, Friseure, Salbenmischer, Bleigießer, Parfüm- und Puderhersteller, Winzer, Weinhändler, Böttcher; gegen Augenleiden, Gewitter und Ungeziefer
   

Bericht aus dem 'Directorium Spirituale'¹

Nur wenige Frauengestalten um Jesus sind uns nach den Berichten der Evangelien mit ihrem vollen Namen bekannt. Zumeist lesen und hören wir dort von Frauen nur indirekt, sie bleiben mehr oder weniger anonym, namenlos.

So kennen wir aus den Evangelien zum Beispiel die blutflüssige Frau, die Frau am Jakobsbrunnen, die Töchter des Synagogenvorstehers Jairus, die arme Witwe im Tempel, die Sünderin, die Jesus die Füße salbte, oder Frauen im Gefolge Jesu, die mit ihm und seinen Jüngern durch Palästina gezogen sind und zum Unterhalt Jesu und des Jüngerkreises beigetragen haben.

Diejeniger Frau, deren Gedenktag heute begangen wird - und dies nicht nur in der römisch-katholischen Kirche, sondern auch in den meisten katholischen Ostkirchen, ja sogar in den orthodoxen Kirche und in der anglikanischen Kirche - ist namentlich in allen vier Evangelien erwähnt: Maria Magdalena bzw. Maria von Magdala.

Wir wissen über diese Maria, dass sie zur Zeit Jesu lebte und aus dem heutigen Migdal, damals Magdala, stammte, einem mittelgroßen Fischerdorf am Nordufer des Sees Genesareth, nur wenige Kilometer westlich von Kafarnaum, wo sich Jesus längere Zeit aufhielt und wo auch einige Jünger lebten.

Neben Maria, der Mutter Jesu, ist Maria von Magdala sicher die bekannteste Frauengestalt um Jesus in den Evangelien, sie ist dort zwölfmal genannt. In der Tradition der Kirche zählt sie in besonderer Weise zu den biblischen Glaubensbotinnen und als Apostolin, als Zeugin für Jesus und seine Auferstehung - noch vor den Jüngern.

Das Johannesevangelium schildert, dass Maria von Magdala am Ostermorgen allein am Grab Jesu war, es leer fand und Petrus sowie Johannes darüber berichtete (Joh 20, 1-10). Dann kehrte sie mit den beiden Jüngern zum Grab zurück, diese gingen schließlich traurig fort. Maria wartete weiter vor dem Grab und so erschien ihr der auferstandene Christus (Joh 20, 14-18).

Durch die Berichte der Evangelien über Maria von Magdala als erste Zeugin der Auferstehung Jesu wurde sie für uns zur bekanntesten Jüngerin Jesu. Zugleich ist sie ein bevorzugtes Objekt phantastischer Spekulationen und viele fragen sich: War sie vielleicht doch 'mehr', nämlich Freundin, Geliebte oder gar Lieblingsjüngerin Jesu?

Die Evangelien bieten wenig biographische Informationen über die Maria auf Magdala: Sie ist eine bekehrte Sünderin, aus der Jesus sieben Dämonen ausgetrieben hat. Als Erstzeugin der Auferstehung ist sie fast gleichrangig mit Petrus und Johannes, den Jüngern des Zwölferkreises. Die Evangelien heben sie deutlich vom Zwölferkreis ab, wenn sie berichten, dass diese Frau Jesus wirklich bis zum Ende gefolgt ist; Maria von Magdalena ging mit Christus bis unter das Kreuz, sie ergriff nicht die Flucht wie die Jünger, sondern sie folgte und diente Jesus bis zuletzt, unter dem Kreuz und bis vor das Grab.

«Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte» (Joh 20,11). Die Jünger sind gegangen, Maria von Magdala aber blieb. Und sie sah und glaubte. Ja, nach der Begegnung mit dem Auferstandenen berichtete sie den Jüngern: «Ich habe den Herrn gesehen» (Joh 20,18).

Das 'Credo' der Maria von Magdala ist das erste große Glaibensbekenntnis, Bekenntnis zu Ostern, Ja zum auferstandenen, lebendigen Christus. Deshalb ist diese biblische Frau aus Magdala - noch vor manchem anderen Jünger - auch für uns ein Vorbild, das 'Credo' zu sprechen, an den Auferstandenen zu glauben, ihn zu bekennen, zu ihm zu stehen.

Im Wissen um die von Jesus geheilte Maria Magdalena, die einstige Sünderin und schließlich so stark auf Jesus Vertrauende und fest an ihn Glaubende, dürfen wir mit ihr in der Nachfolge des auferstandenen Christus in Anlehnung an das Gebet sprechen, das er uns zu beten gelehrt hat:

Herr Jesus Christus,
gib uns das Brot, das wir heute brauchen.
Erlass uns unsere Sünden, die wir von gestern mit uns tragen.
Und führe uns in unserem zukünftigen Tun nicht in Versuchung.


Bericht aus 'Dominikanisches Stundenbuch - Proprium der Heiligen'²

Maria Magdalena wird im Lukasevangelium (8,2) unter den Frauen genannt, die Jesus geheilt hatte, und die ihn dann begleiteten und unterstützten. Als alle Jünger geflohen waren, stand sie zusammen mit Maria und Johannes und den anderen Frauen beim Kreuz Jesu.

Sie war bei seinem Begräbnis dabei und ging am Ostermorgen zum Grab (Mk 15,40ff.; 16,1ff.).

Ihr ist der auferstandene Herr zuerst erschienen und hat sie mit der Botschaft seiner Auferstehung zu den Jüngern gesandt (Joh 20,11ff.).

Seit Beginn des 11. Jahrhunderts verbreitete sich ihre Verehrung in der Kirche des Westens. Maria Magdalena wird im Orden der Predigerbrüder als eine seiner Schutzheiligen besonders verehrt. Sie trägt den Titel »Apostolin der Apostel«.


Hinweis

Auf Wunsch von Papst Franziskus wurde 2016 der Gedenktag zum FEST erhoben.


Verweise und Materialien

Ökumenisches Heiligenlexikon

Wikipedia


Fussnoten

¹ Directorium Spirituale, Hrsg. Bischöflicher Stuhl, Regensburg, Juli 2016, Seiten 33-35

² Proprium des Predigerordens, EOS Verlag Erzabtei St. Ottilien, 1991, ISBN 3-88096-669-9


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