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Bearbeiter Herr Bernd Schnitter OP
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HEILIGER ANTONIN VON FLORENZ

Heiliger Antonin
Antonin; Detail aus dem Fresko der Kreuzigung Jesu im Konvent von San Marco in Florenz, 1441/42 (Fra Angelico)
Gedenktag 10. Mai - GEDENKTAG
Geboren * 1389
Gestorben † 2. Mai 1459
Stand Bischof
Kanonisation Heiliggesprochen durch Papst Hadrian VI. am 31. Mai 1523
Attribute Dominikaner mit Büchern und Mitra (gelegentlich auch mit Waage)
Patronate im Unglück; gegen Fieber
   

Bericht aus dem 'Directorium Spirituale'¹

Der Besucher des heutigen Museums San Marco in Florenz wird vor allem von den umfangreichen Freskenzyklen des Dominikaners und Malers Fra Giovanni da Fiesole (1387-1455), genannt 'Angelico', der hier von 1437-1440 wirkte, beeindruckt sein.

Am Übergang von der Gotik zur Renaissance stellte er seine Kunst wie kein anderer in den Dienst frommer Andacht und sittlicher Erbauung. In seinen Werken verband er innige Frömmigkeit und realistischen Naturalismus. Die Dichterin Gertrud von Le Fort war sogar der Meinung, dass Fra Angelico in der Kunst der Einzige war, der die visio beata besaß. 1982 wurde er vom hl. Papst Johannes Paul II. seliggesprochen und den christlichen Künstlern als Patron empfohlen.

Es gilt als sicher, dass unser Tagesheiliger Antonin großen Einfluss auf Fra Angelico und seine Kunst nahm und ihm jede nur mögliche Förderung angedeihen ließ, zunächst als Prior des Konvents von San Marco und später als Erzbischof von Florenz.

Antonin Pierozzi war geborener Florentiner und trat bereits mit 16 Jahren in Fiesole in den Dominikanerorden ein. Der Konvent hier zählte in dieser Übergangszeit vom Mittelalter zur Neuzeit zu den Reformkonventen, wo man sich wieder stärker auf das Gedankengut eines Thomas von Aquin besann, von dessen Spiritualität Antonin tief geprägt wurde.

Nachdem er 1413 die Priesterweihe empfangen hatte, wurde er wegen seiner Frömmigkeit, seiner Klugheit und wegen seines vorbildlichen Lebens schon früh von seinen Mitbrüdern zum Prior gewählt: In Cortana (1418), in Fiesole (1421), in Neapel (1424) und im Konvent Santa Maria Sopra Minerva in Rom (1430), wo er auch als Auditor der Rota wirkte und als Lehrer des kanonischen Rechts hohes Ansehen genoss.

Als 1435 durch die Unterstützung des Florentiners Cosmas de Medici der Konvent von San Marco errichtet werden konnte, wirkte Antonin von 1436 - 1444 hier als Prior und unterstützte als solcher Fra Angelico bei der künstlerischen Ausgestaltung des Klosters. Unter ihm wurde San Marco zu einem Mittelpunkt des Humanismus und besaß die erste öffentliche Bibliothek in Europa (1443).

Papst Eugen IV. (1431-1447) ernannte Antonin 1446 zum Erzbischof von Florenz, wo er, mit dem Charisma eines guten Hirten begnadet, das kirchliche Leben mit Klugheit und Kraft förderte.

Er selbst lebte einfach und bescheiden, um den Armen und Kranken helfen zu können. Damit gab er seinem Klerus, für dessen Reform er eifrig wirkte, das beste Beispiel. Zur Unterstützung der Notleidenden gründete er die Gemeinschaft der «Guten Männer vom heiligen Martin». Seine Klugheit und sein reiches Wissen brachten ihm den Namen ein:
Antonin, der gute Ratgeber.

Von den zahlreichen Schriften, die er verfasste, weist ihn vor allem sein Hauptwerk «Summa moralis» als großen Moraltheologen aus. Im Vorwort dazu schrieb er: «Die Welt lehrt uns Weisheit, nicht nur über das, was auf Gott verweist, sondern auch über das, was wir tun sollen.»

Nur wenige Jahre nach Fra Angelico, der zuletzt in Rom gewirkt hatte, starb Antonin am 2. Mai 1459. Seine Heiligsprechung erfolgte 1523 durch Papst Hadrian VI. Danach wurde sein unversehrt gebliebener Leichnam in einer Kapelle von San Marco beigesetzt.


Bericht aus 'Dominikanisches Stundenbuch - Proprium der Heiligen'²

Antonin Pierozzi wurde 1389 in Florenz geboren. Der selige Johannes Dominici, der damals im Auftrag Raimunds von Capua die Konvente reformierte, nahm ihn mit 16 Jahren in den Orden auf, für den Reformkonvent in Fiesole (1405). Nach dem Noviziat in Cortona erhielt er in Fiesole seine Ausbildung. 1413 empfing er die Priesterweihe.

Wegen seiner tiefen Frömmigkeit, Klugheit und seines vorbildlichen Lebens wurde er schon sehr jung von seinen Mitbrüdern zum Prior gewählt: im Reformkonvent von Cortona (1418), im Konvent in Fiesole (1421), in Neapel (1424) und im Konvent Santa Maria sopra Minerva in Rom (1430), wo er Auditor der Rota und ein berühmter Lehrer des kanonischen Rechts war.

Dank der großzügigen Unterstützung durch Cosmas de Medici konnte 1435 der Konvent San Marco in Florenz errichtet werden. Von 1436-1444 war Antonin Prior von San Marco. Während dieser Zeit malte Fra Angelico dort seine berühmten Fresken. Der Konvent wurde ein Mittelpunkt des Humanismus und besaß die erste Bibliothek in Europa (1443).

1437 war Antonin Generalvikar der Reformkongregation der Lombardei, später der Kongregation der Toskana (1441). Papst Eugen IV. ernannte ihn 1446 zum Erzbischof von Florenz. Mit dem Charisma eines guten Hirten begnadet, leitete er sein Bistum mit Klugheit und Kraft und förderte das kirchliche Leben.

Antonin lebte einfach und bescheiden, um den Armen und Kranken Hilfe und Unterstützung bringen zu können. Er gründete die Gemeinschaft der «Guten Männer vom heiligen Martin», um den Notleidenden beizustehen. Seine Klugheit und Weisheit brachten ihm den Namen ein: Antonin der gute Ratgeber. Mit Eifer setzte er sich für die Reform des Klerus ein. Er verfasste viele Schriften. Besonders sein Hauptwerk «Summa moralis» weist ihn als einen großen Moraltheologen aus.

Antonin starb am 2. Mai 1459. Papst Hadrian VI. sprach ihn am 31. Mai 1523 heilig. 1589 wurde sein unversehrt gebliebener Leichnam in einer Kapelle von San Marco beigesetzt.


Bericht aus der 'Kleinen Heiligen-Legende'³

Dieser große Mann war klein und unansehnlich von Statur und bekam deshalb den Namen Antoninus, d. i. kleiner Anton. Aber an Geist und Tugend überragte der Kleine alle seine Mitschüler.

Mit sechzehn Jahren bat er um Aufnahme in den Dominikanerorden. Der Provinzial wollte es ihm abschlagen und sagte zum Scherz, er müsse zuerst das Decretum Gratiani – das ganze geistliche Recht – auswendig lernen. In einem Jahr kam Antoninus wieder und kannte das ganze dicke Buch auswendig; er fand nun Aufnahme und wurde ein heiliger Novize.

Er war der erste und letzte im Chor, schlief auf bloßer Erde auf einem Strohsack, aß nie Fleisch und trug beständig einen Bußgürtel. Vom Papst zum Erzbischof seiner Vaterstadt ernannt, nahm Antoninus diese Würde nur aus Gehorsam an, richtete aber sein Haus ganz klösterlich ein.

Einst sah der Heilige über dem Dach eines kleinen Hauses in Florenz viele Engel; er trat ein und fand eine fromme Witwe mit drei Töchtern, welche mit ihrer Hände Arbeit sich kümmerlich den Lebensunterhalt verdienten. Er ließ ihnen eine bedeutende Summe Geldes geben. Als er später wieder an diesem Haus vorüberging, sah er über dem Dach viele Teufel. Die Töchter hatten Besuche angenommen, lasen schlechte Bücher und waren ganz umgeändert. Der Bischof gab ihnen einen strengen Verweis, entzog ihnen alle Unterstützung, und durch Not und Arbeitsamkeit wurden die Mädchen wieder bekehrt.

Als einst ein Florentiner ihm einen Korb mit Früchten brachte, in der Hoffnung, ein gutes Trinkgeld dafür zu empfangen, sagte ihm der Erzbischof nur: «Vergelt‘s Gott!» .Da der Mann mürrisch wurde, nahm Antoninus eine Waage und legte in die eine Waagschale den Korb mit den Früchten, in die andere ein Zettelchen, auf dem geschrieben stand: «Vergelt’s Gott!« - Das Deo Gratias wog weit mehr, und der Mann bat um Verzeihung.

Heroisch war seine Hirtenliebe gelegentlich einer Pest. Überall eilte Antoninus hin, Hilfe und Trost spendend. Auf die Pest folgte Hungersnot; auch da bot Antoninus alles auf, den Armen zu helfen. In der Todesstunde war das letzte Wort des heiligen Erzbischofs: «Gott dienen ist herrschen.«

Anwendung

Kein Geschäft wird uns den Frieden rauben, wenn wir uns in unserem Herzen ein einsames Plätzchen halten, wo wir bei uns selbst sein können, und wo das Gewirre der Welt keinen Eingang hat. (Hl. Antonin)

Gebet

Lass uns, o Herr, durch die Verdienste des heiligen Antoninus, deines Bischofs und Bekenners, geholfen werden, damit wir sowohl die wunderbare Macht, die Du an ihm gezeigt, als auch deine Barmherzigkeit gegen uns preisen mögen,
durch Christus, unsern Herrn. Amen.


Verweise und Materialien

Ökumenisches Heiligenlexikon

Wikipedia

Diplomarbeit «Die Naturrechtskonzeption des Antoninus von Florenz OP»


Fussnoten

¹ Directorium Spirituale, Hrsg. Bischöflicher Stuhl, Regensburg, Mai 2017, Seiten 17/18

² Proprium des Predigerordens, EOS Verlag Erzabtei St. Ottilien, 1991, ISBN 3-88096-669-9

³ Pater Philibert Seeböck, Kleine illustrierte Heiligen-Legende auf jeden Tag des Jahres, ein Paradiesgärtlein mit Blumen aller Art, 13. Auflage, 1886


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