Kommunion
Es transzendiert nicht  

7. September 2020
Zum Kommunionemfang wiederverheirateter Geschiedener #kath

Die Katholischen Bischöfe Deutschlands erlauben seit zwei Jahren in Ehebruch lebenden Gläubigen wortreich den Empfang der heiligen Kommunion (protestantisch: Abendmahl).

Man bezieht sich auf Papst Franziskus1, der etwas nebulös und unklar von Ausnahmen schrieb, aber eben doch der Möglichkeit "aus pastoralen Gründen". Welche immer das sein können, entscheidet im Grunde jeder Priester selbst – womit sie beliebig werden. Vier Kardinäle formulierten die Zweifel.

Aus meiner Sicht ist die Angelegenheit in der liturgischen Praxis ein eher überbewerteter Phantomdisput. Denn wieviele wiederverheiratete Geschiedene mag es in den leeren Kirchen überhaupt geben, die expliziten Wert auf den Kommunionempfang legen und auch noch regelgerecht nicht vortreten, weswegen sie spirituellen Schmerz verspüren?

Es geht also mal wieder um's Prinzip. In diesem Fall um nichts Geringeres als die Frage, ob sündhaftes Verhalten überhaupt keine Konsequenzen mehr zeitigen darf und damit vollständig sanktionsfrei bleibt. Um das Detail kümmert sich dann der Teufel, der sowieso drin steckt.

Wenn vor Gott verbundene Ehen (»bis dass der Tod uns scheidet«) mit ihrer staatlichen Scheidung wirkmächtig untergehen, können auch vorehelicher Sex, praktizierte Homosexualität, die Frauenordination, die Abkehr vom Zölibat und alle 'kleinen' Sünden eigentlich nicht weiter schlimm sein. Wer möchte sich schon als 'Spielverderber' aufspielen?

Und das sind die Gefahren, denen ein Schleifen der Prinzipien innewohnen: Alles wird irgendwie relativ, alles säkular (weltlich), alles profan (gewöhnlich). Es wird exakt das Gegenteil dessen, was Papst Emeritus Benedikt XVI. in Freiburg mit seiner Rede zur Entweltlichung zu vermitteln versuchte.

Der Relativismus hatte eine Mehrheit der deutschen Bischöfe stets auf seiner Seite.
Schon 1968 mit der 'Königsteiner Erklärung' (die Verwendung von Verhütungsmitteln wurde dem Gewissen der Gläubigen anheim gestellt) als freches Widerwort zur nur einen Monat vorher erschienenen lebensbejahenden und prophetischen Enzyklika HUMANÆ VITÆ (Über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens), später in Fragen des mörderischen Schwangerschaftsabbruches und heute im Falle der ehebrüchig Kommunizierenden.

Stets glauben sie mehrheitlich dem vermeintlichen Zeitgeist nachgeben zu müssen, um niemanden zu verprellen, statt auf den Heiligen Geist zu lauschen. So erreichen sie nur das Gegenteil: Ihre bigotte Scheinheiligkeit bleibt nicht unbemerkt – lässt sie in Jerusalem auch ihr Brustkreuz ablegen – und treibt die Menschen in Scharen in die kirchensteuerbefreite Agnostik oder anderen Heilsanbietern.

Sie wollen immer so gern überwältigen, aber mit ihnen transzendiert es einfach nicht.

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Das 'Forum Deutscher Katholiken' erinnert dieses Vorgehen  auch an die 'Königsteiner Erklärung'.

1  Amoris lætitia, Fußnote 351 und andere.