Raumschiff Enterprise
Die Enterprise mit eigener Ethik und Moral  

1. September 2020
Konfessionskundliche Bemerkungen zur Star Trek-Welt

Raumschiff Enterprise, »Star Trek«, wurde mit seinen jahrzehntelangen Serien und Kinofilmen eine generationsübergreifende Größe im Ringen nach Courage und Gerechtigkeit.

James Tiberius Kirk, der 'Captain' der Enterprise, ist ein recht eigenwilliger Charakterkopf. Geprägt von beindruckender Führungsgewalt einerseits und sensiblem hypergalaktischem Verständnis anderseits, sehen wir eine Kunstfigur, wie sie neben den Comic-Exoten Super- und Batman kaum gespaltener sein könnte. Mal rotzig anmaßend, mal empathisch sensitiv, wandelt er nunmehr in seiner vierten Reinkarnation über die Fläche des Lichtspieltheaters.

Da war zunächst und zu allererst William Shatner. Die als TOS (Trek Original Serie) vermerkte Ouvertüre präsentierte uns einen überkandidelten Schönling, der ob seiner Attraktivität im ständigen Rechtfertigungsdruck zu seinem logischem Gegenstück, dem Schlitzohr Spock steht.

Wir sehen den klassischen Widerstreit des Menschlichen gegen das Rationale. Tritt dann noch das Böse hinzu, personifiziert in den Klingonen und zahlreichen anderen befremdlichen Spezies, schauen wir auf die Konkurrenz des Schönen und Hässlichen.

Vom konfessionskundlichen Standpunkt repräsentierte die erste Serie eine Mischung aus gnostisch-altheidnischer Götterlehre und jüdischer Theokratie. Weiter kommen Elemente national-protestantischer Bibeldeutung und katholisierender Verfassung daher, vermischt mit einem gewissen Einschlag von amerikanischem Nationalismus, welche mit angelsächsischer Zähigkeit angereichert ist.

Dann kam Jean-Luc Picard (Patrick Stewart), dessen nächste Generation tatsächlich einen Paradigmenwechsel einläutete. Deutlich „lebenserfahrener“ entwickeln die Drehbuchschreiber den dritten Captain der Enterprise (=Unternehmung) zu einem souverän und abwartenden Vorgesetzten, der die Tugenden der neunziger Jahre spiegelte. Diese waren geprägt von einem kollegialen Führungsverständnis, welches die Aufgabe der Person überordnete. So wurde dieser Mann als Führer beliebig, als Moralinstanz indes unaustauschbar.

Die kongenial in Schauspieler und Rolle verbundene Symphonie eines „Menschenführers“, der auch mit – irgendwie immer doch menschliche Züge zeigenden – Außerirdischen klar kommt, wurde Beispiel für Managerseminare, Führungsempfehlungen und sogar militärische Handlungsanweisungen.

Konfessionskundlich erleben wir hier eine deutliche Abkehr von christlichen Ideen, wenn sie natürlich im westlichen Wertekanon einer amerikanischen Produktion nicht gänzlich verschwinden können, hin zu asiatisch-konfuzianisch gedeuteten Formulierungen, die womöglich nach Meinung der Drehbuchschreiber besonders geeignet waren, nicht nur einem Trend zu folgen, auch die amerikanische Wunde im Umgang mit ihren Bürgern asiatischen, insbesondere japanischen, Migrationshintergrund zu verdecken.

Die dritte Enterprise-Figur stellte Scott Bakula als Captain Archer dar. Zeitlich vor Kirk angesiedelt, versuchten die Filmschaffenden eine symantische Lücke zu schließen. Sie mussten irgendwie erklären, wie Kirk überhaupt zustande kam. Sein Vorgänger Archer ist natürlich auch ein Kind unserer Zeit. Die Serie endete nach mäßigem Erfolg vor fünfzehn Jahren.

Nebenserien wie »Deep Space Nine« und »Voyager« bereiteten den Untergang vor, denn allen drei Serien mangelte es an ethisch-moralischen Beispielen, die der Zuschauer in seinen Wertekanon hätte integrieren können. Hier ging es nur noch um political correctness, dass etwa endlich eine Frau auch einmal Schiffskapitän sein durfte oder ein Schwarzer eine Raumstation führt.

Der letzte Kinofilm reiht sich in diese Leier ein. Wir sehen Kirk und Spock, Pille und Scotti als junge Gesichter unserer Zeit. Im Grunde ist es aber die ganz alte Story: Der Kampf gegen sich selbst wie wir ihn in der Berufungsfindung kennen, dann der Kampf der Generationen oder des Amtes, etwa so, wie Kaplan und Pfarrer sich mitunter schwertun. Und schließlich das Zusammenrotten an sich widersprüchlicher Charismen im Kampf gegen das gemeinsame Feindbild.

»Star Trek« mag in einigen Film-Momenten von gewinnender Ethik sein – der katholische Wertekanon wird insgesamt nicht widergegeben. Zu oft wird allein gegen das fünfte Gebot ("Du sollst nicht töten") selbst dann verstoßen, wenn alle Phaser "auf Betäubung" gestellt wurden.

In »Discovery« dominiert die Vorstufe des Dominion als maßloser Ausdruck von Gewalt und Bewegung. Konfessionskundlich bilden sich öfters die Höllenwelten des Dante Alighieri aus seiner »Göttlichen Komödie« ab, die mittelalterliche Vorstellung des abgrundtiefen Bösen. Das ist derart irritierend, dass mit »Picard« eine Relecture des Humanistischen versucht wird.

Viel CGI-getriebene Action verbreitet eine Menge Moralin im Weltenraum der unendlichen Weiten. Nur ist von drei Materien bedauerlicherweise gar keine Rede: Von Glaube, Hoffnung oder Caritas. Deswegen werden künftige Produktionen nach ihrem Starthype kaum Nachhaltigkeit entwickeln. In ein paar Jahren werden sich nur ein paar Nerds an die Details dieser Serien und Filme erinnern. Dann - und erst dann - dürfen wir einer weiteren Fortsetzung angesichtig werden. Die kommt aber so sicher wie das Amen in der Kirche.