Donald Trump vs. Joe Biden
Entweder – Oder  

19. August 2020
Land Of The Free

D20Der Parteitag der Demokratischen Partei zur Nominierung des Standortältesten Joe Biden ist – obwohl (Corona-bedingt) virtuell, also eine reine Videoshow – ein hoffnungsvolles Signal, den derzeitigen Präsidenten in drei Monaten abzuwählen.

Ich bekenne mich als Wechselwähler, wenn ich denn dort wählen dürfte. So sehr ich Hillary Clinton vor vier Jahren nicht obsiegen sehen wollte, so sehr muss diese verschlagene, unverfrorene und frivole Zumutung aus dem Weißen Haus raus. Im starren Dems-Reps-System (weitere Parteien spielen keine nennenswerte Rolle), bleibt da nur ein Entweder – Oder.
Showdown at High Noon.

Es war der 7. November 2000, Wahltag in den USA, es ging um Al Gore und George W. Bush jr. Mein abendlicher Flug vom JFK-Airport verzögerte sich um mehrere Stunden wegen eines Schneesturms, den wir in der Maschine abwarten mussten. Es roch nach dem Enteisungsmittel und Knobi-Hummus, den mein jüdisch-orthodoxer Sitznachbar aß. Ein Baby plärrte unaufhörlich. Dann, während des Fluges, gab der Flugkapitän regelmäßig Wasserstandsmeldungen zur Wahl durch und als gegen zwei Uhr Nachts des folgenden Tages seine Meldung kam, Al Gore habe die Stimmenmehrheit erreicht, brandete Jubel in der Maschine auf. Doch kurz vor der Landung in München folgte die Durchsage, Bush anerkenne den Sieg Gores nicht, die Situation in Florida sei unklar. Jenem Bundesstaat, dessen Gouverneur Bushs Bruder Jeb war. Jedenfalls als wir gegen 8 Uhr in München landeten, war alles offen. Mich amüsierte auf dem Anschlussflug nach Hamburg DER SPIEGEL, der über einen am Expo-Pavillon urinierenden Prinzen berichtete, auch schlagfreudig gegenüber Reportern, weswegen er im Artikel beständig als Ernst Haugust von Hannover benannt wurde. –

Aber zurück zur Wahltaktik: Eine ähnliche Situation bereitet Trump-el offenbar auch vor: Chaos und Durcheinander am Wahlabend zu provozieren, das ihm, der doch nie verliert, womöglich im Amt hält. Wenn es nicht zu einem überragenden Sieg Bidens kommen sollte, wird Trump das, was eigentlich allein eine binäre Entscheidung des Volkes ist, anfechten. Er wird irgendeine ausgeklügelte Verzögerungsstrategie fahren, die nur Hochbegabte, wie er einer ist, durchschauen.

Das Wahlmännersystem in den USA sorgt öfters dafür, das die absolute Stimmenmehrheit nicht den Sieg des Kandidaten bedeutet. Nicht nur Gore hatte damals mehrere Millionen Stimmen landesweit zusätzlich auf sich vereinigen können als Bush, auch Hillary Clinton verlor trotz über einer Million Stimmen Vorsprung vor Donald Trump. Trotz alledem ist dieses Verfahren des Wahlgremiums parteiübergreifend als demokratisch anerkannt und bleibt deshalb unangefochten.

Heute tritt unter anderen Bill Clinton auf. Das dürfte wieder für hämische Tweets aus dem Weißen Haus sorgen. – Muss man es der Föhnlocke mit der Orangenhaut so einfach machen?

Am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist, ist es auch nicht das Ende.